Inflabluntahz – „Segen & Fluch“ (Review)

1

Segen und Fluch

Nachdem thematisch doch stark limitierter Straßenrap die jüngere Vergangenheit im Rap dominierte, herrscht seit einiger Zeit wieder erhöhter Bedarf an gehaltvollen Texten, die mehr zu bieten haben, als den immer gleichen Beton-Alltag. Bodenständige Texte, aus dem Leben gegriffen, die auch die nachvollziehen können, die den Asphaltgeruch höchstens vom Sonntagmittag-Spaziergang her kennen. Dazu Künstler, die man nicht fürchtet, sondern durch ihre ehrlich gesonnene Art sympathisch rüberkommen. Und nicht zuletzt eine unbändige Liebe für die Sache selbst, für Rap, die man in jeder Sekunde herauszuhören vermag.

All das lässt sich auch über Franksta (MC & DJ) und Nicoist (Beats & Produktion) sagen, die Ende März über das gern gehörte Rubin-Label (Nazz N Tide, B.E.) ihr prall gefülltes Album „Segen & Fluch“ veröffentlichen. Auf der CD verteilen sich ganze 22 Anspielpunkte, die ausreichend Stoff geben für einen schönen Abend mit gelungener Musik und einem guten Gefühl, dass Rap halt immer noch derbe ist. Vorausgesetzt die dargebotene Qualität passt und schafft es bei der schieren Masse grobe Schnitzer zu vermeiden.

Der Beginn setzt jedenfalls eindrucksvoll Akzente und begeistert durch wunderbar melancholische Instrumentale, die Stimmung aufbauen und durch die inhaltlich starken Lyrics vom gebürtigen Rumänen Franksta ergänzt werden. So ist man geneigt zu glauben, wenn auf „Lang genug gewartet“ von 77 Minuten aka 22 Tracks, frei von Makeln, die Rede ist. Und in der Tat, die Thematik von Songs wie „Just A Dream“ geht dank Instrumental und detaillierter Lyrik voll auf und lädt den Geist ein, sich mit dem Gesprochenen auseinander zu setzen.

Das ist auch zwingend von Nöten, denn ein Großteil der Tracks prägt eine inhaltliche Schwere und Ernsthaftigkeit, die das bewusste Wahrnehmen, wenn nicht gar mitlesen (dank Booklet), zur Grundvoraussetzung macht, möchte man „Segen & Fluch“ voll und ganz genießen. Dass es dennoch nicht immer nur von Sorgen und Gedanken getragen, ja fast schon gequält, durchs Leben geht, beweisen dann immer wieder Ausreißer wie „Fight Club“ oder „Frontlinien“, die für willkommene, wenn auch nicht zwingend benötige Abwechslung sorgen.

Kern des Albums sind ohne Zweifel aber die tiefsinnigen Texte, begleitet von tief traurigen Streichern und gezielt gezierten Piano-Klängen (Paradebeispiel: „Lass uns reden“). Dabei werden fast schon naturgemäß keine neuartigen Themen behandelt, aber wenn Franksta die alte, aber immer noch bewährte These vertritt, Reden sei die beste Therapie oder den obligatorischen Track an die Liebste bringt, ist das handwerklich derart gelungen, dass man nicht meckern möchte. Toll auch das Feature der Wuppertaler-Edelzunge Sinuhe auf „Berg und Talfahrt“, für das Nicoist, neben Ill-Luzion Hauptverantwortlicher für den Sound des Albums, einen richtig dicken Beat vom Stapel lässt.

Als seien diese 22 Stücke noch nicht genug, fährt das Album noch eine Bonus-CD auf, mit weiteren 18 Stücken. Darauf enthalten sind zur Hälfte Tracks, die in Form von Remixen in neuen Gewändern glänzen, zusammengefasst unter dem Titel „Influzion“. Die zweite Hälfte, schlicht „Bonus Tracks“ betitelt, fährt dann noch weiteres Material auf und die 18 Extrahäppchen komplettiert. Die Tatsache, dass es sich dabei längst nicht um minderwertige Stücke handelt (Features von Donato und Nazz N Tide), sondern um richtig schöne Bonus Cuts, sowie die durchweg hohe Qualität vom eigentlichen Album „Segen & Fluch“, machen das Ganze zu einer absolut runden Sache, in die man investieren sollte. Großartig.

segenundfluchbewertung

1 Kommentar

Leave A Reply