Rap Vocals Mixing: Rap Stimme Abmischen – Der Guide

Du bist wahrscheinlich hier, weil du Aufnahmen hast, oder bald aufgenommen werden soll. Oder du bist einfach aus reiner Neugier hier gelandet. Doch irgendwie möchtest du mehr über das Abmischen erfahren und speziell interessieren dich Vocals. Mit dem Aufnehmen der Vocals ist allerdings nur die halbe Miete drin, denn am Ende muss man auch die Rap Stimme abmischen und zwar korrekt.

Sind alle Takes, oder Aufnahmen erst einmal „im Kasten“ so ist die Nachbearbeitung der nächste Schritt.

Die Nachbearbeitung erfolgt dabei in mehreren Schritten:

  1. Alle Takes aufnehmen, auf Qualität checken und fehlerhafte, oder misslungene Takes nochmals aufnehmen. Dabei kommt es vor allem auf eine klare Soundqualität an und eine saubere Aufnahme. Solche Qualität der Aufnahmen kann man in der Regel nur in einer guten Booth erreichen.
  2. Das Mixing, oder Abmischen. Dabei werden alle Tonspuren angepasst, bearbeitet und zu einer einheitlichen Aufnahme, dem Summensignal zusammengeführt.
  3. Das Mastering, oder Audio-Mastering, als letzter Schritt in der Audio-Postproduktion. Dabei wird dem Endergebnis eine noch bessere Qualität verliehen und sichergestellt, dass die Aufnahmen auf möglichst vielen unterschiedlichen Geräten ihren optimalen Klang entfalten kann.

Aus dem Titel weißt du bereits, dass wir uns in diesem Artikel mit dem Abmischen beschäftigen werden und zwar dem Abmischen von Rap Vocals und den Punkten, die man besonders dabei beachten muss.

Leider wissen viele Rapper nicht, wie sie das machen können und haben auch keinen Soundtechniker, der das für sie übernehmen könnte. Vielleicht gehört deshalb die Frage „Wie mische ich meine Rap Vocals ab?“ zu den häufigsten Fragen, die jemand gestellt bekommt, der sich auch nur ein wenig mit Audiotechnik auskennt.

Bevor man mit dem Abmischen anfängt und die Qualität seiner Aufnahmen auf ein neues Level bringt, sollte man sicherstellen, dass die Ausgangssituation optimal gestaltet ist.

Aufnehmen & Rap Stimme abmischen: Voraussetzungen

Das Abmischen und Mastering sind Schritte der Nachproduktion. Damit die Nachproduktion gute Ergebnisse liefert, sollte auch die Produktion möglichst wenige Fehler aufweisen, ansonsten ist das Endergebnis in jedem Fall enttäuschend.

Selbst die besten Soundtechniker, Plugins und Effekte können das fehlende Talent nicht ersetzen, oder miese Aufnahmen zur Profi-Studio-Qualität aufleben lassen. Daher schauen wir uns zuerst diese Aspekte an.

Talent

Es ist nicht nur in der Musik der Fall, dass in 90 Prozent der Fälle das Problem vor dem Mikro steht und nicht das Mikro selbst, oder gar die Bearbeitung danach ist.

Bei Rap Aufnahmen kommt es hauptsächlich auf die Fähigkeiten des Rappers selbst an. Die Aussprache muss klar sein, der Takt eingehalten, die Stimme deutlich und kräftig geführt werden. Wenn eine Aufnahme misslungen ist, heißt es natürlich nicht automatisch, dass der Rapper talentfrei ist. Oft macht es ein Take selbst aus – manche sind besser, andere schlechter. Aber auch die Übung macht bekanntlich den Meister.

Eminem beispielsweise hat seine Texte extrem oft geübt und vor dem Spiegel vorgerappt. Als er seine Karriere gestartet hat, war die Studiozeit sehr teuer und man hat sowohl für die dort verbrachte Zeit, als auch für die Anzahl der Aufnahmen gezahlt. Wer ungeübt reingegangen ist und in vielen Versuchen gute Takes erreichen wollte, konnte seine Ersparnisse schnell loswerden.

Heutzutage läuft es natürlich etwas anders, denn die digitale Technik macht die Aufnahmen weniger aufwändig und auch die Nachbearbeitung ist etwas einfacher geworden.

Doch nach wie vor sind tausende Übungsstunden notwendig, damit ein Rapper eine akzeptable Qualität in seinen Songs erreicht.

Gute Aufnahmen

Take, Take, Re-Take, Re-Re-Take. Nehmt euch die Zeit und stellt sicher, dass die Aufnahmen wirklich gut werden. Es gibt nichts, was dich in der Audiobearbeitung mehr ärgern wird, als eine schlechte Ausgangsqualität.

Wie erkennst du eine gute Aufnahme? Hör sie dir an. Würdest du diese Aufnahme auch völlig unbearbeitet deinem Publikum zum Download bereitstellen? Nun, manche Rapper machen das genauso – sie verlassen sich nicht auf die Postproduktion, sondern nur auf das eigene Talent und Übung.

Raum

Wo machst du deine Aufnahmen? Wenn du bereits ein professionelles Studio zur Verfügung hast, dann kannst du diesen Abschnitt getrost überlesen. Wenn du jedoch eine schwächere Ausgangsbasis hast, dass solltest du einige Dinge beachten.

Der Raum muss so wenige Eigengeräusche wie nur möglich produzieren. Keine Schritte, kein Hall, keine Straßengeräusche, oder sonstige Störgeräusche. Dazu sollte die Aufnahmeumgebung gut schallgedämmt sein. Um das zu erreichen, stehen dir zwei Wege offen:

Der einfache Weg: Du dämmst dein Aufnahmezimmer so gut es geht, indem du zumindest einen dicken Teppich verlegst und den Raum mit einigen Pyramidenschaum-Elementen ausstattest. Ein Mikrofon mit einem Schallfänger/Micscreen ist die perfekte Ergänzung dazu.

Der komplizierte Weg: Du baust eine vollständige Aufnahmezelle. Um so eine Booth zu bauen, musst du etwas mehr einkaufen und zumindest ein wenig handwerklich begabt sein. Die Alternative ist, du kaufst eine fertige Booth, doch das wird dich einiges kosten.

Technik

Auch auf die passende Technik kommt es selbstverständlich an. Sowohl auf der Hardware als auch auf der Software Seite muss alles stimmen. Zuerst zu dem Groben:

Profi Mikrofon und Digital Working Station im Hintergrund

Mikro

Wie bereits am Anfang erwähnt, kann am Ende nur ein gutes Ergebnis entstehen, wenn die Ausgangsqualität stimmt. Auf der einen Seite macht Talent und Übung den Löwenanteil der Qualität aus. Jedoch darf man nicht vergessen, dass man durch mangelhafte Technik viel Potential verschenken kann.

Eine gute Stimme will mit einem guten Mikrofon aufgenommen werden. Hier fängt alles an – die Luftschwingungen der Vocals werden durch das Mikro zu einem elektrischen Signal übersetzt. Je klarer und störungsfreier diese Übersetzung erfolgt, desto einfacher wird es für uns sein, damit weiterzuarbeiten und desto besser das Endergebnis.

Um die meisten Ansprüche eines Rappers zu decken, reichen in der Regel Mikrofone in der Preisspanne zwischen 200 und 350 Euro. Es bleibt jedem offen, sich auch weit unterhalb dieser Spanne zu bewegen und gar ein Mikro für unter 100 Euro zu holen, doch die Erfahrung vieler Rapper zeigt – sie rüsten sehr bald nach und kaufen sich doch ein teureres und hochwertigeres Modell.

Zur Auswahl stehen Dutzende Marken mit Hunderten Modellen. Eine der besten Lösungen für die meisten Ansprüche scheint jedoch das Rode NT2 zu sein, oder die günstigere Variante Rode NT1.

Sowohl auf Foren, als auch in den Bewertungen zu diesen Modellen liest man große Lobeshymnen und häufig sprechen die Käufer von einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Hier muss man nicht lange überlegen.

  • Rode NT1 Studio Kit – (Amazon)

  • Rode NT2 einzeln – (Amazon)

Pre-Amp

Das nächste technische Element, das unerlässlich für gute Vocals ist, ist das Pre-Amp, oder der Vorverstärker. Wenn wir schon einige Hundert Euro für ein Mikro ausgeben, das unsere Stimme in ein klares elektrisches Signal umwandelt, dann wollen wir auch sicherstellen, dass das Signal weiterhin klar bleibt.

Dir ist sicher bekannt, dass elektrische Signale, auch in der Audiotechnik, von Prozessoren verarbeitet werden. Das Problem ist, dass jeder Verarbeitungsschritt seinen Rauschanteil beimischt. Das kann man kaum vermeiden, da es sich hier um physikalische Phänomene handelt.

Dem Rauschen kann man jedoch entgegenwirken, indem man das klare Signal, direkt nach der Übersetzung durch das Mikro direkt verstärkt. Das Rauschen, das später unumgänglich dazukommt, wird durch die Vorverstärkung verhältnismäßig geringer ausfallen. Clever, nicht?

Du kannst dir ein Pre-Amp einzeln kaufen. Dazu würde sich im Prinzip jedes kompatible Modell empfehlen, wobei auch die Preise etwa im selben Bereich für verschiedene Hersteller liegen.

Andererseits kannst du auch gleich ein Studio-Kit von Rode kaufen. Da hast du gleich ein Mikro, Popschutz und ein Pre-Amp!

  • Rode Complete Studio Kit – (Amazon)

  • Rode AI-1 Pre-Amp – (Amazon)

Popschutz

Hier ist alles ganz einfach. Ein hochwertiges Mikro ist eine sehr empfindliche Apparatur und nimmt sogar Signale auf, wenn es nur ein wenig durch die Luft bewegt wird. Dafür haben sie meistens einen Windschutz aufgezogen.

Studiomikrofone werden nicht durch die Luft gewirbelt, doch sie empfangen ebenfalls störende Luftwirbel – die Popgeräusche. Die P, B, D und T Silben erzeugen oft einen kräftigen Luftstoß, der eine Luftverwirbelung verursacht, die nicht besonders gut vom Mikro aufgenommen wird.

Daher wird vor das Mikro eine Nylonmembran vorgestellt. Diese dämpft die Stimme kaum, fängt jedoch diese kräftigen Pop-Geräusche und nimmt ihnen die Energie, so dass sie nicht mehr als störende Nebengeräusche aufgezeichnet werden.

Bei den Preisen für Popschutzmembranen (teils im einstelligen Bereich) ist die Anschaffung ein Muss.

  • Popschutz einzeln – (Amazon)

  • Rode Popschutz + Mikrofonspinne – (Amazon)

Micscreen

Bevor wir anfangen den Raum zu dämmen und komplett mit Pyramidenschaum auszukleiden, können wir noch einen kleinen Kniff anwenden und uns einen Micscreen besorgen. Rate mal, wo die meisten Geräusche beim Rappen hin strahlen. Natürlich auf das Mikro und darüber hinaus.

Wäre es nicht extrem clever, direkt hinter dem Mic ein halbrundes Dämmelement zu installieren, um den Großteil des entstehenden Klangs nach seiner Aufnahme durch das Mic abzufangen, so dass sie uns nicht weiter stören?

Also ich halte das für eine clevere Idee. Die Micscreen sind mit 50-80 Euro definitiv eine Anschaffung wert.

Pronomic MP-90 Micscreen – (Amazon)

Pyramidenschaum

Wer seine Schalldämmung wirklich billig haben möchte, sollte Eier mögen. Dann kann man seinen improvisierten Aufnahmeraum mit Eierkartons ausstatten. Wer jedoch den Hall aus seinem Raum auf professionelle Weise herausnehmen will, sollte zu klassischen Pyramidenschaum greifen.

Durch das weiche Material, aber auch die Form, wird der überwiegende Teil der auf den Pyramidenschaum treffenden Geräusche abgefangen und geschluckt. Von einer bloßen Wand werden die Geräusche reflektiert, wodurch Hall erst entsteht.

Da wir später beim Abmischen über den Hall selbst entscheiden wollen, sollten wir ihn im Vorfeld herausnehmen. Bereits wenige Platten des Pyramidenschaums machen einen großen Unterschied aus.

  • 16 kleine Platten – (Amazon)

  • 24 kleine Platten – (Amazon)

  • 4 große Platten – (Amazon)

Software

Wenn die Hardware stimmt, sollten wir nun zu Software übergehen. Wir brauchen schließlich Programme, mit denen wir unsere Aufnahmen bearbeiten können. Im Prinzip brauchen wir nur ein zentrales Programm, die sogenannte Digital Audio Workstation, abgekürzt DAW und einige Plugins, die die bestehenden Funktionalitäten erweitern, oder neue hinzufügen.

Digitale Audio Workingstation mit Turntable zum Rap abmischen

DAW – Digital Audio Workstation

Was ist eine DAW und wofür brauche ich sie? Wenn du dir diese Frage stellst, dann hast du diesen Artikel wohl nicht gelesen und bist rein zufällig bei diesem Kapitel gelandet. Eine Digital Working Station ist der zentrale Ort des Geschehens, wenn es um die Nachbearbeitung und das Mastering geht.

In diesem Programm kannst du deine Aufnahmen nahezu beliebig bearbeiten, verbessern und mit Emotionen versehen, bis du am Ende den perfekten Klang erzeugt hast. Die größere Frage, die du dir jetzt vielleicht stellst, ist:

Sollte man sich eine kostenlose DAW holen, oder gleich eine kaufen? Hier kann man keine eindeutige Antwort geben, da wir nicht wissen können, welche Ziele du verfolgst.

Willst du das Abmischen nur zum Spaß lernen, oder einfach schauen, wie es geht? Bist du von reiner Neugier getrieben? Oder willst du am Ende wirklich etwas Anständiges produzieren und meinst es mit der Postproduction ernst?

Hier sind deine Möglichkeiten:

Audacity – Abmischen mit einer kostenloser DAW

Die Audio Profis sind sich in diesem Punkt einig: Wer eine kostenlose DAW benutzen will, hält bei höheren Ansprüchen keine zwei Wochen durch. Wenn man jedoch gar nicht professionell auftreten will, sondern lediglich etwas reinschnuppern möchte, dann eignet sich wohl die kostenlose Digital Audio Workstation Audacity am besten dafür.

Eine DAW ist grundsätzlich einer realen Tonstudioanlage nachempfunden und ist auch in ihrem Layout so aufgebaut. Wer also bereits ein wenig Studioerfahrung mitbringt, wird sich in jeder DAW recht zügig zurechtfinden.

Zuallererst ist es wichtig einen Überblick zu gewinnen und eine Weile in den Einstellungen herumzustöbern, dass man gleich von Anfang seine Optionen kennt. Dann wird man sich nicht darüber ärgern, dass man eine bestimmte Einstellung erst Wochen später entdeckt hat und sich die ganze Zeit das Leben schwerer gemacht hat, als man sollte.

FL Studio und Cubase – Abmischen mit Profi DAWs

Die Landschaft der kostenpflichtigen DAWs ist riesig. Dabei haben viele von ihnen die meisten Features und Funktion in derselben Ausführung, während jede DAW für einen ganz eigenen Zweck ausgelegt ist – Live-Auftritte, elektronische Musik, Beat Produktion, oder eben Abmischen von Hip-Hop Tracks.

Wir wollen euch an dieser Stelle nicht überfordern und werden lieber in Zukunft einen extra Artikel nur über DAWs und ihre Vor- und Nachteile schreiben. An dieser Stelle möchten wir nur eine kurze Empfehlung für zwei Digital Working Stations abgeben.

Fruity Loops / FL Studio – Der Hip-Hop Spezialist

Fast jeder Hip-Hop Fan, selbst wenn er niemals eine DAW gesehen hat, hat diesen Namen gehört. Fruity Loops gehört zu den meistverwendeten DAWs in der Hip-Hop Industrie und bietet alles was gute Raptracks brauchen.

In der Vergangenheit geriet Fruity Loops in einen Rechtsstreit mit Kellogg’s, weil das Unternehmen eine Verwechslungsgefahr mit Cornflakes sah. Daraufhin hat Fruity Loops den Namen in FL Studio geändert.

Vor allem die tabellenartigen Playlists und weitreichende Automatisierungsmöglichkeiten machen diese DAW auf dem Markt so beliebt.

Schau dir die Versionen hier an:

  • FRUITY FL Studio 12  –  (Amazon)

  • PRODUCER FL Studio 12  – (Amazon)

  • SIGNATURE FL Studio 12 – (Amazon)

Steinberg Cubase – Der Mächtige Klassiker

Die erste Version von Cubase kam sage und schreibe 1989! Seitdem wird ständig an der Software gefeilt und Cubase hat sich von der MIDI-only Ausgabe zu einem der wichtigsten Audio-Softwareprodukte aller Zeiten entwickelt.

Cubase hat einen enormen Beitrag zur Entwicklung der Musikindustrie geleistet und ist der absolute Klassiker, wenn es um DAWs geht. Wer sich diese Software zulegt, kann nichts falsch machen.

Schau dir die Versionen von Cubase hier an:

  • ELEMENTS Steinberg Cubase  – (Amazon)

  • ARTIST Steinberg Cubase – (Amazon)

  • PRO Steinberg Cubase – (Amazon)

Plugins

Mischpult mit Tontechniker im dunklen Raum

Plugins sind das A und O in der Postproduktion. Diese funktionellen Erweiterungen sind die Werkzeuge, mit denen du deine Aufnahmen bereinigen und verstärken kannst, deiner Stimme mehr Power gibst und einen harmonischen Klang erreichst. Schauen wir uns doch die wichtigsten Plugins für die Abmischung an:

Equalizer

Der Equalizer gehört zu den absoluten Muss-Elementen beim Abmischen. Damit lassen sich bestimmte Frequenzen und ihre Nachbarfrequenzen verstärken, oder abschwächen. Warum will man das machen? Dadurch kann man die wichtigeren Frequenzbänder, wie zum Beispiel die der Vocals, in den Vordergrund stellen.

So lassen sich aber auch störende, oder zu dominante Frequenzen, wie die einer Gitarre, oder Keyboards abschwächen. Dadurch können die Vocals in den Vordergrund treten und sich durchgehen über die Beats durchsetzen.

Kompressor

Mit einem Kompressor lassen sich die Kontraste zwischen den lautesten und leisesten Tönen einer Tonspur verstärken, oder abschwächen. Bei den Vocals wären das zum Beispiel einzelne gesprochene Silben.

Durch die Verstärkung der Kontraste lässt sich eine Tonspur knackiger gestalten und durch die Abschwächung etwas ebnen. Mit einem Kompressor kann man so schnell die Action dahin bewegen, wo man sie haben will.

Hall

Wahrscheinlich kannst du dir bereits vorstellen, wie der Hall-Effekt klingt. Durch unsere gute Aufnahmeumgebung haben wir störende Geräusche abgefangen und eine klare Aufnahme hingekriegt. Doch im realen Leben werden die Geräusche durch ihre Umgebung eingefärbt.

Jeder Raum hat einen anderen Klang. Eine leere Lagerhalle wird einen anderen Hall erzeugen, als eine Abstellkammer, oder eine Konzerthalle. Der Hall-Effekt simuliert diese unterschiedlichen Umgebungen.

Wenn du alle eingesetzten Instrumente und die Vocals mit demselben Hall bearbeitest, dann „platzierst“ du sie audiotechnisch in denselben Raum und gibst dem Track einen einheitlichen Charakter.

Delay

Der Hall-Effekt hat eine große Macht in der Postproduktion und doch führt er einen Nachteil mit sich. Hall kann das Signal etwas verwaschen und es verliert an Klarheit. Um diesem Effekt entgegen zu wirken, kann man den Delay Effekt einsetzen.

Delay kann man am bestem mit einem Bergecho vergleichen. Das Signal wird in zeitlichen Abständen wiederholt und wird dabei immer schwächer. Durch eine kurze Echozeit und eine rapide Abschwächung überlagert das Delay das Original nicht, sondern verstärkt es und gibt ihm mehr Klarheit.

Multiband-Kompressor

Einige Sound Engineers schwören auf den Multiband-Kompressor als ihre Superwaffe, wenn es um Vocals geht. Es ist durchaus keine einfache Aufgabe, Vocals mit einem Equalizer zu bearbeiten, weil die Vocals so variabel sind.

Man kann nicht eine bestimmte Frequenz für den gesamten Verlauf verstärken, oder dämmen und einfach aufs Beste hoffen. Hier kommt der Multiband-Kompressor, der in solchen dynamischen Angelegenheiten gut zum Einsatz kommen kann. So lässt sich mit einem Multiband-Kompressor auch dem Bass eine zusätzliche Aggressivität verleihen.

In welcher Reihenfolge soll ich Vocals abmischen?

In einer Kunst wie dem Abmischen kann es keine eindeutigen, immer und überalle geltenden Schritt-für-Schritt Anleitungen geben – dafür ist das Thema zu komplex. Allerdings lassen sich in einer Fragestellung nach der Reihenfolge beim Abmischen einige grobe Ratschläge geben.

  1. Setze nicht die Vocals auf einen fertig abgemischten Track.
  2. Mische zuerst die Vocals ab, denn sie sind die wichtigste Spur in deinem Track
  3. Ziehe zuerst das Lead Vocal hoch, gehe dann zu den Chören über. Danach kannst du die Drums abmischen, während du ein Ohr weiterhin an den Vocals behältst, um bei Bedarf nachzujustieren.
  4. Experimentiere ein wenig weiter und finde deinen eigenen Stil. Wie viel kann schon schiefgehen? Was hast du zu verlieren, außer deine fehlende Erfahrung?

Wie lerne ich das Abmischen?

Jetzt kommt die Frage der Fragen. Auch wenn wir in diesem Artikel viele Grundlagen der Produktion und Postproduktion abdecken können, ist das Thema doch eine Wissenschaft für sich. Daher sollte sich jeder, der ernsthaft das Abmischen lernen möchte, einen Lernplan zulegen. Am besten gehst du mit einem klaren Kopf an die Sache heran und schaust dir erst ein paar Sachen an.

In diesen Tutorials werden euch alle Grundlagen des Abmischens eingehend erklärt und direkt im Programm dargestellt.

Auf Englisch ein weiteres Tutorial:

Feedback

Das Lernen funktioniert am schnellsten, wenn man eine Feedback-Schleife einbaut. Im diesem Fall heißt es – hört auf eure Fans. Sie werden euch schnell und zuverlässig sagen können, ob die produzierten Songs gut, oder weniger gut abgemischt sind und, ob die Gesamtqualität stimmt. Perfektionismus steht euch dabei nur im Weg.

Je mehr ihr produziert und übt, desto schneller werdet ihr besser. Je mehr Kritik und Feedback ihr bekommt, desto feiner könnt ihr die Richtung nachfühlen, in die ihr euch bewegen müsst.

50 Cent hat in seiner Biografie gut dargestellt, wie wichtig Feedback von Fans wirklich ist. Er erzählt, wie er nach seinen ersten großen Erfolgen träge und faul geworden ist. Er hatte viel Geld verdient und hat viel Zeit damit verbracht es auszugeben.

Zu seiner Bestürzung bemerkte er dabei, dass er seinen „Anschluss an die Straße“ verloren hatte. Er verlor genau das Element, das ihm den Erfolg beschert hat. Also ließ er für sich eine Webseite einrichten und präsentierte auf dieser Seite immer wieder Free Tracks für seine Fans – nur um Kritik abzuholen.

Wenn er viele negative Kommentare geerntet hat, dann hat er etwas Neues produziert – bis er wieder den Nerv seiner Zielgruppe traf. Erst, als er wieder fühlen konnte, was seine Fans hören wollten, hat er wieder Alben produziert.

Rap Stimme abmischen – das ist eine Kunst für sich und wie jede Kunst will das Abmischen erlernt werden. Das Lernen muss jedoch nicht mühsam sein. Wir hoffen, dass wir euch einen guten ersten Einblick in dieses Thema geben konnten. Geht immer wieder verschiedene Tutorials durch und – produziert, produziert, produziert.

Viel Erfolg!