Donato – „Angst“ (Review)

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donato angst albumcover

Rapper gib es in Deutschland wie Sand am Meer. Die Anzahl an wirklich herausragenden Veröffentlichungen begrenzt sich dennoch auf ein paar wenige Duzend. Das heißt im Umkehrschluss, dass zu viele Rapper zu wenig Hochglanzmaterial produzieren. Jemanden, dem man dies sicher nicht vorwerfen möchte ist Donato. Bereits sein Erstlingswerk „Damals Wie Heute“ überzeugte auf Anhieb und findet sich auf einschlägig bekannten Online-Musikanbietern zu horrenden Preisen, die mitunter im dreistelligen Bereich liegen. Nach gut vier Jahren bekommt es Donato nun mit der „Angst“ zu tun, so der Name seines zweiten Langspielers, der vor kurzem über das renommierte und viel gelobte Münchner Label Kopfhörer Recordings veröffentlicht wurde.

Nun ist die Angst, wie sicher jeder selbst am Besten wissen dürfte, ein sehr mächtiges Gefühl, das vom am Existenzminimum lebenden Arbeitslosen über den mittelständischen Unternehmer bis hin zum großen Konzernmanager jeder kennt. Ein facettenreiches, anspruchsvolles Thema, das sich der Dortmunder für sein zweites Album ausgedacht hat und dafür den ein oder anderen guten Vertrauen um Hilfe bat. Etwa Morlockk Dilemma, Inferno79 und Absztrakkt, die als Gastrapper gewonnen werden konnten oder Screwaholic, Brisk Fingaz und die Beatgees, die sich unter anderem für die musikalische Umsetzung der fünfzehn Stücke verantwortlich zeichnen.

Im Vergleich zu einem Großteil Rap-Deutschlands geht Donato gewohnt bodenständig zu Werke und schildert im Detail die nicht immer einfach zu verstehende und noch schwerer in Worten zu fassende Welt der Emotionen. Herausgekommen ist so beispielsweise „Könnt Ihr Mich Hören?“, das sich an die einstigen Vorbilder richtet, denen Donato damals nacheifern wollte, heute jedoch voller Überzeugung klar stellt, dass er sich um keinen Preis verstellen möchte. Ein gelungener Auftakt, der in „Lebe Deinen Traum“ seine Fortsetzung findet. Screwaholic zaubert einen atmosphärischen Beat aus dem Ärmel und gemeinsam mit Inferno79 wird sich an die Kids gewandt. Diese finden in den Zeilen sowohl Hoffnung als auch klare Worte wie ‚also nähr‘ deine Träume mit Schweiß und Wasser wie ein Baum / denn es ist nicht zu spät, du musst dich nur trauen‘.

Weitaus pessimistischer gehen Tracks wie „An Mir Vorbei“ oder „Du Fehlst“ ins Ohr. Ersteres ist eine leicht deprimierende Sicht auf die Schnelllebigkeit des Lebens, das einfach nicht langsamer zu werden scheint. Zweitgenanntes ist ein ehrliches, persönliches Stück Musik, das dank Donatos tragender Stimme weit mehr transportiert als der handelsübliche Herzschmerz-Track. Schön auch „Über Der Stadt“, bei dem es Zaehre sehr gut gelungen ist das Gefühl von Schwerelosigkeit in musikalische Gefilde zu transferieren, während der Texter der Freiheit frönt.

Zu guter Letzt sollte dann noch auf „Elemente“ eingegangen werden, eine von Donato, Morlockk Dilemma, Inferno79 und Absztrakkt bestrittene Kollabo, bei der die einzelnen Charaktere stellvertretend für eines der vier Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft stehen. Dank geradeausgehender Raps, die verbal eine Schippe zulegen und der netten Idee eine gelungene Abwechslung zur inhaltlichen Tiefe der übrigen Stücke.

Ein rundes Album, das viel Wert auf Qualität legt und Inhalt vermitteln möchte, bei dem man gespannt zuhört und im Booklet mitliest. Auf Dauer vielleicht etwas ermüdend und nicht frei von Aussetzern (an Soundbwoy Boogies Beitrag auf „Zepter“ muss man bspw. nicht zwingend Gefallen finden), als Gesamtwerk betrachtet aber äußerst stark und eine Empfehlung wert für alle, die noch nicht wissen, was sie (sich) unter den Weihnachtsbaum legen sollen.

Texte: 4/5
Produktionen: 4/5
Gesamtwertung: 4/5

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