Demograffics – Cheese (Review)

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Englischsprachiger Rap aus deutschen Mündern – das kann funktionieren, man denke nur einmal an Square One mit dem leider viel zu früh von uns gegangenen Rasul. Vor gut zwei Jahren betraten dann die Demograffics, bestehend aus Dexter und Maniac, das Spielfeld und legten mit „Raw Shit“ einen weiteren Beweis für schnörkellosen, geerdeten Boom Bap-Sound aus deutschen Landen hin, den man so auch ohne zögern seinen Freunden aus Übersee präsentierte, ohne dabei in Fremdscham zu versinken. So wirkt es nur logisch, dass nun mit „Cheese“ das nächste Album der beiden an den Start ging. Darauf enthalten; sechzehn Anspielpunkte für alle, die ein Faible für reges Kopfnicken und etwas gegen House-Rap-Herumgezappel haben.

An den Grundzutaten hat sich in diesen gut zwei Jahren nichts wesentliches getan. Noch immer kommen die Beats druckvoll und satt, wirken organisch und ‚handgemacht‘, was in der heutigen Zeit, wo vieles wie aus der Konservendose dröhnt, durchaus etwas Besonderes ist. Maniac versteht es nach wie vor, englische Rhymes fallen zu lassen, die sich nicht nur harmonisch in das bestehende Instrumental fügen, sondern dabei auch klingen, als seien sie direkt aus den Staaten importiert – peinliches Schulenglisch sucht man hier vergeblich. Was sich hingegen etwas verändert hat, ist die Rollenverteilung. Hatte man auf dem Vorgängeralbum noch das Gefühl, es mit einem ausgeglichenen Duo zutun zu haben, bei dem Dexter produziert und Maniac die Reime bringt, scheint es, als habe sich Dexter dieses Mal sehr zurückgehalten. Ein Blick in die Credits des DigiPacks zeigt: zwei von sechzehn Stücken werden unter „prod. By Dexter“ angegeben, der übrige Rest stammt von Maniac.

Wer nun befürchtet, das Album leide unter diesem Umstand, der täuscht. Tatsächlich ist es gar so, dass das weitgehende Fehlen von Dexter kaum wahrgenommen wird, so gelungen sind die Produktionen von Multitalent Maniac. Wenn dieser dann, wie auf dem Opener „Intrography“ eine gerappte Autobiographie auf kickendem Kopfnicker-Beat zum Besten gibt, entwickelt sich dies zur eindrucksvollen One-Man-Show. Und auch das um erlesene Cuts bereicherte „Still Talking“ oder „Hold Up“ sprechen für Maniacs Beatbauer-Künste und gehen als handwerklich einwandfreie Boom Bap-Tracks durch, wie man sie aus Deutschland nur selten zu Ohren bekommt. Einzig das etwas arg hektische „Get The Job Done“ hinterlässt einen bescheidenen Eindruck und ist mit seiner schnellen, unruhigen Art das Pendant zum ungleich relaxteren „Alotastress“.

Dexter haut zumindest mit „How Long“ einen der besten Beats des Albums raus und meldet sich so zumindest kurzweilig auf der Bühne wieder, während er den Hörer daran erinnert, dass dies keine Soloshow sein soll. Dennoch kommt man nicht darum herum, Maniac für seine außergewöhnlich guten Leistungen, hier wie da, zu loben. „Take A Look“ mit Chrizondamic lässt sich gar beattechnisch schlicht als genial betiteln und wird ohne Umwege zum absoluten Höhepunkt der Platte, die ansonsten schlüssig und rund wirkt, wie man das bereits von „Raw Shit“ nicht anders gewohnt war. Warum auch an einer Formel rütteln, die sich in der Vergangenheit bereits bewährte? Eben.

„Cheese“ ist ein Album für Genussmenschen, die Rap nicht schätzen, weil er eben ‚in‘ ist und zum ‚harten‘ Image passt, sondern weil man in Rap bisweilen ehrliche, bodenständige Menschen wiederfindet, die gerne ganze Plattenläden nach auf schwarzem Gold gepressten Juwelen suchen und schlichte, tief gehende Liebe für etwas entwickelt haben, das mehr ist als nur Rap, nur Musik. Es handelt sich um eine ganze Kultur, die auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken kann. Das ist Hip Hop, werte Leser. Und „Cheese“ ist der dazugehörige Soundtrack im Jahre 2012 und ein schöner Beweis dafür, warum man liebt, was man liebt. Womit dann eigentlich auch alles gesagt wäre.

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