Hammer & Zirkel – Sex Sells (Review)

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Ja, dieses Album ist bereits seit geraumer Zeit im Handel erhältlich. Und ja, diese Rezension war noch nötig. Ebenso nötig, wie dieses Album für die deutsche Rapszene war beziehungsweise ist. Denn wenn Hobby-Dealer und Möchtegern-Gangster die Szene beherrschen, überall nur noch ernst geschaut, statt einfach mal gelacht wird, ist es an der Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Dies haben sich auch Hammer und Zirkel gedacht, die, seit jeher einen eher alternativen Rapstil gehenden, mit „Sex Sells“ ihr bisher absurdestes wie bestes Album abliefern, das umwerfender nicht sein könnte und dabei einen nicht unbeträchtlichen Teil der Szene komplett abschrecken dürfte. Was dieses Mal nicht am bösen Blick der Interpreten, sondern der für Spaß und ein nicht ganz so ernst gemeinten Attitüde der Schwergewichte.

Bereits gleich zu Beginn entzünden Hammer und Zirkel ein wahres Feuerwerk an Lachern, wenn auf „Humoage a trois“ nicht etwa Moulin Rouge wiederbelebt wird, sondern mal eben Marsimoto, Casper und die Atzen in der genannten Reihenfolge auf die Schippe genommen werden. Auf einem Track versteht sich und nicht, ohne sich auch am Stile der Herrschaften anzupassen, wobei besonders die Casper-Interpretation überaus gelungen ausfällt. Kaum davon erholt, werden die Pump-Hosen ausgepackt und munter MC Hammer gefrönt, wenn zur „Hammertime“ geladen wird. Und um schließlich auch dem strapazierbarsten Lachmuskeln den Gnadenschuss zu verpassen, wird mit „Eine Dame werd ich nie“ ein gefährlich nach vorne treibender Beat ausgepackt, gespickt mit den üblichen Hirnrissigenkeiten im Text.

Nun kann man dem Album durchaus ankreiden, es würde ausschließlich auf Spaß und Blödelei setzen, womit man mitunter vielleicht gar nicht mal so Unrecht haben möchte. Jedoch sind sie damit a) nicht die Ersten (siehe Atzen o. ä.) und b) wirkt es vielmehr so, als möchte man uns, den Hörern, eine Verstecke Botschaft zukommen lassen. Etwa so, wie es Blumio bisweilen vormachte und zwischen Alberei ganz ernstgemeinte Aussagen versteckte. „Sex Sells“ ist keine lieblose Best-Of-Kindergarten, sondern macht sich über die gesamte Spiellänge bewusst über das lustig, was dieser Tage so präsent ist in unserer einst so idyllischen Rap-Welt. Man könnte gar so weit gehen, dass Hammer & Zirkel damit Rap gar mehr repräsentieren, als manch anderer, als vollwertiger Rapper anerkannter ‚Künstler‘.

Fakt ist: „Sex Sells“ macht ordentlich Laune und ist eine hörbare Weiterentwicklung im Lebenslauf dieser Herren. Gerade für die heiteren Momente im Leben ein tolles Album, das den Spaßpegel noch um einige Werte höher ausschlagen lässt oder auf Partys funktionieren kann (siehe „Futtersynthese“). Dass das Leben nicht nur aus solchen Sequenzen besteht ist dabei ebenso selbstredend, wie die Tatsache, dass man sich ein solches Album nur in begrenzten Dosen geben kann und nicht immer Lust auf eine solche Ansammlung von komödiantischen Einlagen aufbringen kann. Ohne Zweifel jedoch ein wichtig, in den richtigen Momenten wohltuendes Album, das nur eine Frage offen lässt: „Willst du mit Bier gehen?“.

Wer nette musikalische Unterhaltung sucht, wird bei diesem Album definitiv fündig. Bringt die Lachmuskeln in Wallung und macht gute Laune!

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