Bis Aufs Blut – Brüder Auf Bewährung (Filmreview)

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Im viel zitierten Rap-Kosmos gibt es seit geraumer Zeit augenscheinlich nichts mehr, das in irgend einer Art und Weise neu und nie dagewesen wäre. Musikalische Erfolge im Mainstream, Anbiederung an eingängige Pop-Rhythmen, Videospiele und Fernsehsendungen von und mit Rap-Akteuren. Und auch die große Leinwand des Kinosaales wird seit vielen Jahren schon mit der Straßenmentalität HipHops bereichert. Zunächst nur in den Staaten, folgten mit der Zeit auch deutschsprachige Produktionen und berichteten auf ihre Weise vom Struggle auf den Straßen. Mit „Bis Aufs Blut“ kam dieser Tage ein weiterer Film dieser Sparte in die Kinos. Angesiedelt im HipHop-Kontext, mit Pottweiler Manuellsen in seiner ersten Filmrolle und natürlich mit dem passenden Soundtrack, für den unter anderem Curse, Banjo und Savas in der Booth standen.

Anlässlich der Filmpremiere in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart, bekamen auch wir von HipHopHolic die Gelegenheit, uns den Film anzusehen. Nach einem kurzen Sektempfang fuhr der Vorhang auch schon auf und die schnell erzählte Geschichte seinen Lauf. Würzburg – der vergleichsweise besonnene Tommy lernt in frühester Kindheit Sule kennen, der im Gegensatz zu Tommy weitaus beherzter zur Sache geht, gerne auch Gewalt anwendet. Trotz dieser zunächst erkennbaren Unterschiede entwickelt sich eine untrennbare Freundschaft. Als Tommy wegen Drogenhandels für 6 Monate ins Jugendgefängnis wandert. Vom Knast gezeichnet, seiner Jugendliebe verlassen und mit seiner Mutter (gespielt von der großartigen Simone Thomalla) im Unreinen, schwört sich dieser, nie mehr einzuwandern. Mit Sule als einzigen Rückhalt, findet sich Tommy bereits Augenblicke nach Entlassung umgeben vom Drogenhandel und -konsum seines besten Freundes. Und die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Nun mögen böse Zungen schon jetzt von einem vorhersehbaren Fortgang der Geschichte sprechen, der die gängigen Klischees aufgreift und damit ein bestenfalls zufriedenstellendes Endergebnis abliefert. Dass dem nicht so ist, verdankt der Film zum Einen seinem Regisseur Oliver Kienle, welcher mit dem Entschluss, die Geschichte nicht in der hauptstädtischen Plattenbausiedlung, sondern im weitaus beschaulicherem Würzburg spielen zu lassen, goldrichtig lag. Als auch an den Einzelleistungen der Schauspieler. Allen voran natürlich Jacob Matschenz (u. a. „Die Welle“) als Tommy und Burak Yiğit als Sule, die offenbar ohne große Mühen in ihre Rollen schlüpften und von Beginn an ein glaubwürdiges Bild auf die Leinwand zeichnen. Ganz zu schweigen vom perfekt mitspielenden Soundtrack, der dem Ganzen den letzten Schliff gibt.

Natürlich ist „Bis Aufs Blut“ kein Blockbuster, der in die Annalen der Filmgeschichte eingehen wird. Das möchte er aber auch gar nicht sein. Stattdessen ist es ein gut umgesetzter Coming Of Age-Film, der weniger die Klischees bedient als manch einer zunächst befürchtet. Selbst die Szenen mit den Würzburger ‚Amerikanern‘ fallen zwar zunächst etwas unglaubwürdig auf dank überharten Gebrauch von Slangwörtern, sind aber letztlich eher nebensächlich. Primär also ein durchaus sehenswerter Film, der nicht zu Unrecht mit Preisen geehrte wurde und einen Gang ins nächstgelegene Lichtspielhaus rechtfertigt.

1 Kommentar

  1. Jacob Matschenz ist ein echt cooler Schauspieler!! (der spielt ja auch bei „Wholetrain“ mit)
    In den Film geh ich auf jeden Fall rein. :)

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