Classified – „Handshakes And Middlefingers“ (Review)

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Wer Rap liebt, der liebt auch die Extremen. Zumindest scheint es auf den ersten Blick so. Da hätten wir die viel diskutierte Welt des Mainstream-Raps, der geradezu für Airplay prädestiniert scheint. Und das größtenteils unerforschte, staubige Land des Unterground-Raps, welches in vielerlei Hinsicht reizvoll wirkt. Dazwischen tummelt sich selbstverständlich noch so einiges mehr, zu beachtet für den Untergrund, zu wenig auf den Schirmen der Hörer für Mainstream. Schwierig, dafür jetzt eine eigene Schublade zu kreieren. Weil Schublade aber ohnehin dämlich sind, wird nun mit Classified einfach ein passendes Beispiel für die eben angesprochene Grauzone aufgeführt.

Classified stammt aus Kanada, konnte bereits mit seinem letzten Album auch in Deutschland einige Aufmerksamkeit auf sich lenken und gehört in seiner Heimat zur Speerspitze der Rapper, was sich nicht zuletzt auch in Erfolgen wieder spiegelt. Weshalb er trotz nunmehr 13 Alben bei uns immer noch mehr als Geheimtipp denn als sichere Bank für gute Musik gilt, ist ein ungeklärtes Rätsel. Fakt ist, Classified beherrscht das Mikro souverän und zieht auch sämtliche Fäden im Hintergrund. Sprich, er erweist sich vor allem immer wieder als hervorragender Produzent, der besser wie jeder andere weiß, in welche musikalische Richtung er gehen möchte.

Ob entspanntes, gut gelauntes Instrumental, das als Unterlage für von Weed beeinflusste und über selbiges handelnde Lyrics („High Maintenance“) herhält oder ein dem typischen Rocky-Soundtrack annähernder Track wie es „Danger Bay“ geworden ist, alles wirkt ordentlich und aufgeräumt. Auch das Zusammenspiel mit Joe Budden auf „Unusual“ glänzt durch schönes Zusammenspiel, dieses Mal jedoch ohne Bezug zum Beat. Wie sich diese beiden die Bälle verbal zuwerfen, hat durchaus seinen Charme und sorgt für Pluspunkte auf dem Haben-Konto.

Interessant ist der Titel „They Don’t Know“ mit Mic Boyd und White Mig als Gäste. Hier wird besonders schön mit den Schlagwörtern ‚Untergrund‘ und ‚Mainstream‘ gespielt, entpuppt sich jener Track doch als optimal abgestimmter Mix aus beiden Welten und fühlt sich dabei in keinster Weise gewollt bzw. gezwungen an. Da verzeiht man dann auch mal Fehler bei der Auswahl der Singles, da „That Ain’t Classy“ zwar kein schlechter, im Vergleich zum Großteil des übrigen Albums jedoch auch kaum mehr als ein durchschnittlicher Song ist, der die Qualität von „Handshakes & Middlefingers“ nur begrenzt wiedergibt.

Als aufmerksamer Zuhörer ist man bei Classified immer wieder hin- und hergerissen – im positiven Sinne. Feiert man ihn nun für seine mehr als saubere Arbeit als Rapper oder aber für seine teils fabelhaften Produktionen (weitere Beispiele: „Maybe It’s Just Me“ mit Brother Ali, „The Hangover“)? Am Besten ist es, man nimmt beides mit Freuden an, findet ein paar lobende Worte für „Handshakes & Middlefingers“ und sorgt so vielleicht dafür, dass Classified auch hierzulande allmählich die Reputation zukommt, die er mit seinem Fleiß und seinem bisherigen Schaffen ohne jede Frage verdient hat.

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