Hammer & Zirkel – „Wir Sind Freunde Und Darum Machen Wir Musik“ (Review)

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Da sind sie wieder, die zwei Hünen im Teddybärkostum – oder andersrum. Nach ihrem erfrischend ungezwungenen, aber zugleich an Konsequenz mangelnden Erstlingswerk steht nun das zweite Album in den Läden. Mit dem Unterschied, dass man sich inzwischen zu einem Trio weiterentwickelt hat und so auch DJ Tracksau einen Sitzplatz im Boote anbot, welchen dieser auch ganz offenbar mit großer Freude annahm und nun zumindest für etwas Kopfbehaarung sorgt, im Kreise der großgewachsenen Erzieher aus Berlin. Zeiten ändern dich, meinte unlängst ein namhafter Kollege und hat damit bezogen auf Hammer & Zirkel vielleicht gar nicht so unrecht.

Dass Hip Hop nach wie vor als Spielwiese der Beiden dient, ist aber dennoch auf den Coverblick hin erkennbar; die drei Mütter, in der Hand jeweils das Bild des Sohnemanns und auf der Rückeite der CD die kuscheligen Bettnachbarn Plüschhase, -bär und -äffchen. Zur Info, dass hier ist nicht die große Rückkehr-Offensive des Rolf Zuckowski, sondern ein, wenn auch nicht ganz auf den Erst des Lebens getrimmt, Rapalbum aus Berlin. Da sag noch mal einer, die deutsche Raplandschaft habe nicht für jeden Geschmack etwas Entsprechendes parat.

Im Jahre 2010 kommt jedoch auch ein Hammer bzw. Zirkel mit weitaus mehr als reinem Geblödel daher. Und wenn, dann ist das Ganze im Vergleich zu einst wesentlich homogener zum Rest des Albums als einst. Ob das nun der „Liebessong Für Britney Spears“ ist, der der einstigen Popprinzessin ein Lächeln aufs Gesicht und einen Wasserfall an Gefühlen beschweren dürfte. Oder das liebliche „Ich Will Ein Kind“. Alles wirkt stringenter, eine klare Linie ist nun weitaus eher zu erkennen als jemals zuvor. Bei gleichbleibender Kreativität hinsichtlich der Texte und Themen, versteht sich.

Wer sich für einen Track extra Gäste, die Einzigen auf dem gesamten Album, an Bord holt, die entweder ebenfalls die Erzieherlaufbahn genommen haben (Laas Unltd.) oder sich zumindest an dieser versuchten (Sido), den treibt mehr an als reiner Blödsinn. Groß kommt auch „Zurückgeblieben“ her. Keine Battlelyriken an den imaginären Todfeind, stattdessen clever formulierte Lines, die erst am Ende des Songs, genauer gesagt das allerletzte Wort (!), zur Pointe ansetzen. Anhand dieses Beispieles lässt sich die Entwicklung von Hammer & Zirkel wohl am Deutlichsten darstellen. Andernfalls findet sich mit dem Kritik zum Ausdruck bringenden „Hr. Günther Ausm Ersten“ oder „Ich Hab Leider Keine Hand Frei“ weitere Stücke ähnlichen Kalibers.

Ein weiterer Meilenstein der Deutschrapgeschichte also? Nicht ganz, denn nicht jeder der dreizehn Anspielpunkte birgt den selben Reiz des erneuten Anhörens wie erwähnte Stücke. Auch sehnt sich der ein oder andere Hörer gegen Ende der Spielzeit nach etwas mehr Spritzigkeit in Form schnell formulierter Doubletime-Raps, während auf „Wir Sind Freunde…“ mehr die gemütliche Gangart bevorzugt wird, welche das Bild der freundlichen Tanzbären nur noch mehr bestärkt. Kein Album vor dem Herrn also, aber ein riesengroßer Schritt nach vorne für die beiden bzw. drei und damit am Ende doch mehr, als man zunächst erwartet hätte.

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