Gucci Mane – „The Appeal: Georgia’s Most Wanted“ (Review)

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Rap aus dem Süden hatte es nicht immer leicht, Rapper aus dem Süden schon gar nicht. Und doch mauserte sich der dreckige Süden dank zahlreicher herausragender Acts zu einer Anlaufstelle für Rap-Verrückte. Besonders Atlanta gleich seit geraumer Zeit einer Pilgerstätte für aufstrebende Künstler, die es oft genug schaffen, einen veritablen Hit zu landen, danach aber in der Versenkung verschwinden. Nicht so Gucci Mane, der längst zu einer festen Größe gewachsen ist und im Sekundentakt Mixtapes raushaut, auf denen von Zeit zu Zeit auch Alben folgen. So etwa „The Appeal: Georgia’s Most Wanted“, der jüngste Streich des Mannes, dessen Name nach Krokodil-Leder klingt und dessen Konflikte mit der Justiz immer wieder eine neue Hürde darstellen für den Künstler und CEO von 1017 Brick Squad (ehemals So Icey Entertainment).

Ungeachtet dessen ist Gucci zu der Sorte Rapper zu zählen, die man liebt oder hasst. Auf der einen Seite eine ganze Sippschaft treuer Fans, die jeden Wurf ins Plattenregal aufs Äußerste feiert. Auf der anderen genügend Stimmen, die sich negativ über die eingeschränkte Thematik von Trap Musik äußern. Dass daran die hier dargebotenen fünfzehn Stücke etwas ändern werden, bleibt anzuzweifeln, soll an dieser Stelle aber auch nicht weiter beschäftigen. Konzentriert man sich nämlich auf die Musik selbst, rollt einem schon im ersten Augenblick einiges vor die Front, das man nun wirklich nicht verpassen sollte. Der Beat von keinem Geringeren als Darkchild geschustert, das Feature vom hier bärenstarken Bun B besorgt und Manne selbst, so lässt sich „Little Friend“ beschreiben, mit dem es sich gediegen vorfahren lässt.

Bereits hier lässt sich erkennen, ob man den richtigen Moment für eine Portion Gucci Mane erwischt hat, oder doch besser bei etwas anderem bleibt. Wer zu Ersteren gehört, darf sich glücklich schätzen, denn ein großes Ding folgt auf das Nächste. „Trap Talk“ knüpft nahtlos an den Opener an und baut die erschaffene Stimmung weiter aus, ehe die Stimmung schließlich im irgendwie absurden , zugleich aber ungemein wirkungsvollen „Making Love To The Money“ gipfelt. Keine Frage, da begreift auch der langsam Denkende ohne Mithilfe von Swizz Beatz und Blick auf die Uhr, was die Stunde geschlagen hat: „Gucci Time“.

In der zweiten Hälfte des Albums schleichen sich dann aber erste Schlaglöcher in den Asphalt ein. Während „Remember When“ mit Sextape-Promi Ray J zwar reichlich weichgespült um die Ecke biegt, aber direkt ins Ohr geht und somit die Meinungen teilt wie Gucci selbst, kann man nur wenig Positives über die zweite Zusammenarbeit mit Swizz Beatz, „It’s Alive‘, sagen. Öde, weil total uninspiriert und lieblos, büßen beide an dieser Stelle einige Formpunkte ein. Auch „Weirdo“ oder das Wyclef Jean-Feature auf „Odog“ fegen eher einmal kurz durchs Gehör, ohne sich dabei in irgendeiner Weise festzusetzen.

Zum Ende in findet man aber wieder auf einen allemal guten Weg zurück und beschert mit „Dollar Sign“ noch mal ein sicheres Ding, mit „Grown Man“ sogar eine echte Überraschung im Zusammenspiel mit Estelle, die wieder einmal ihren American Boy gefunden zu haben scheint. Hier zeigt sich vielleicht mit am Deutlichsten, dass ein Aufenthalt hinter schwedischen Gardienen so seine lieben Spuren im Gedankengut hinterlassen kann und im besten Falle zur Einsicht, Abkehr und Reife führt. Ein Ende, mit dem es sich als Hörer sehr gut hören lässt und den insgesamt gelungenen Eindruck des Albums widerspiegelt.

„The Appeal“ ist wird wohl kaum in die Annalen der Geschichte eingehen und die Gegner von Gucci Manes Musikentwurf haben nach wie vor ihre festen Standpunkte, an denen auch vereinzelte, inhaltlich gefestigtere Stücke und ein neptunes-Beat nichts Wesentliches verändern können. Dass es bei Fans von ‚Georgias Most Wanted‘ ohnehin auf der Einkaufsliste steht, ist ebenso als sicher zu werten. Doch auch wer bislang wenig von ihm hielt, erhält mit „The Appeal“ die Chance seinen Eindruck zu verbessern, denn das hier ist alles andere als schlecht.

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