Boshi San – „H.e.R.B.“ (Review)

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Herzlich willkommen zu den Herzensergießungen eines funkliebenden Raggasnoda-Bruders, kurz H.e.R.B., von Boshi San. Diesen werden aufmerksame Deutschrap-Hörer bereits durch Team Makasi und das Album „Bis es einer mitkriegt“ kennen dürften. Nun also das Soloalbum, dreizehn Stücke umfassend und mit Features von Max Merseny, SvB, Sujazz und Roger Rekless versehen. Hinzu kommt Glam, Teil von Main Concept, welcher sich für die Gesamtproduktion der Scheibe verantwortlich zeichnet. Dies und die guten Reaktionen auf das Team Makasi-Release lassen eine schöne Veröffentlichung erahnen. Was tatsächlich Sache ist, zeigt eine Reise durch die Playlist.

Alles andere als selbstverständlich startet die Reise mit „The Boom Bap“ und ganz geradliniger oder wie man so schön sagt straighter Rap-Kunst auf einem, der Titel lässt es unschwer erraten, Boom Bap-Beat, wie man ihn zwischen Synthie-Brettern ganz gerne hat. Womit gleich das große Aushängeschild des Albums zu Tage kommt, die ‚Auf dem Teppich‘-Mentalität. Weiteres Beispiel gefällig? „Nein Danke“, ein sich von der Schwere des kalten Winters losreisendes, warm aus den Boxen kommendes Instrumental und bodenständige Lyrics eines Boshi Sans, der fest mit den Füßen auf dem Grund steht. Freilich ohne sich in allzu rückwärtsgewandter Sympathien zu verzetteln.

Vielmehr hat das Album etwas von Muttis altem Rezept, das längst nicht so exotisch daherkommt wie ein Mango-Chili-Dressing im gehobenen Restaurant, dafür gut bürgerliche Geschmäcker bedient. So weiß auch „Simplicity“ mit geerdetem Funk und Soul zu begeistern und verjagt ganz nebenbei ein Stück dunkler Wolken aus den Gedanken der Zuhörer und wach rüttelt, zu sagen versucht, das weniger manchmal eben immer noch mehr ist. In diesem Kontext passt auch „Hier und Jetzt“ ins Bild, das mit der Kernaussage ‚Ich will mit dir ins Bett‘ derart charmant umgeht, dass vulgäre Kindereien glatt beiseite gelassen werden können.

Zu guter Letzt sollte man noch ein paar lobende Worte für „Herbsttag“ übrig haben, das nach jeder Menge warm klingender Stücke, der bewusst simple gehaltenen Produktion sei es gedankt, wieder vor Augen führt, dass ein Schuss Melancholie noch niemand geschadet hat. Das passt, hört sich gut an (man beachte den toll gereimten Text) und versprüht in etwas über 2 Minuten mehr Anreiz, das Ganze noch einmal zu hören, als manch opulent gestaltetes Disco Inferno.

Mag sein, dass das manch einem zu wenig spektakulär vonstatten geht. Allen anderen liefert Boshi San jedoch nicht mehr und nicht weniger als ein wunderbares Album, das mit seinem entspannten Erscheinungsbild durch die Monate begleitet. Und als willkommener Gegenpol zur in den Charts gern ausufernden Oberflächlichkeit fungiert ins gute Gewissen eines jeden redet. Herzensergießungen, wie sie ehrlich mitunter gar nicht sein könnten.

herbreview

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