Pimpulsiv – „Hepatitis P“ (Review)

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Pimpulsiv ist der Name eines Deutschrap-Duos bestehend aus Skinny Shef und Timi Hendrix, der vor allem Zuschauern der ‚Feuer über Deutschland‘-Reihe etwas sagen dürfte und schon damals positiv auf sich aufmerksam machen konnte. Nachdem gemeinsam bereits ein Langspieler namens „Hoetry“ entstanden ist, der Vielversprechendes bot und Features von Lakman, Casper und Rasputin, erschien vor einiger Zeit das zweite Album mit dem unkonventionellen Titel „Hepatits P“. Ein Album wie eine Krankheit also, so unangenehm und wenig einladend oder etwa genau das Richtige für all jene, denen das Hilton zu snobistisch und die Bahnhofstoilette zu niveaulos kommt. Kurzum, Zeit für einen weiteren Ausflug hinein in den von Pimpulsiv bewohnten Trailerpark.

Eben dieser wird sogleich dann auch nur wenige Minuten später im Track „Wohnwagensiedlung“ umschrieben. Eine Gegend, die auf den ersten Blick alles andere als einladend und ansehnlich ist, auf den zweiten Blick dann aber seinen Charme hat und für eine eingeschworene Gemeinschaft steht, die nichts zu verlieren hat. Begleitet werden Skinny und Timi von ihren befreundeten Nachbarn DNP, Sudden und Dana, wobei vor allem die gesungene Hook im Zusammenspiel mit dem hübsch arrangierten Beat Anreiz zum mehrmaligen Hören bietet. Selbiges kann man auch von „Ghettofrühstück“ behaupten, eine humorvolle Ode an Aldi, vernachlässigten Kühlschrankinhalt und ähnliches.

Überhaupt stellt der Humor eines der prägnantesten Elemente von Pimpulsiv dar, es vergeht kaum ein Part, der nicht für mindestens einen ordentlichen Lacher gut ist. Darauf reduzieren sollte man die Beiden aber dennoch nicht, denn ähnlich wie Blumio und weitere Konsorten findet sich nicht selten ein doppelter Boden hinter den Zeilen („Fernsehkompatibel“). Oder es wird ganz offen Kritik an der Gesellschaft und dem unsozialen Verhalten der Masse ausgeübt auf einem vom Reggae beeinflussten, entspannten Instrumental plus erneuten Gesangparts auf „Plastikmenschen“. Weiterhin zeigt sich „Hepatits P“ textlich wie musikalisch vielseitig und fährt neben erwähntem Reggae-Touch auch eine Portion Rock („Raus“ mit DNP & Sudden) bzw. Minimal House auf (das völlig abgedrehte„Minimal Klaus“-Skit). So richtig fehl am Platz wirkt aber selbst dies nicht, wenn Klaus Kinski in 3 Minuten durch den Wolf gedreht wird.

Erfreulicherweise hört man im Vergleich zu „Hoetry“ eine Weiterentwicklung raus. Eine eingängigere Hook hier, eine kritischere Line mehr dort und insgesamt mehr Abwechslung. Ohne dabei auf alte Tugenden zu verzichten, sondern stattdessen erneut mit Features von Casper und Rasputin, zusätzlich zu neuen Homies wie JAW und Morlockk Dilemma, aufzutrumpfen. Und auch der vom Vorgänger bekannte „Tokio Bordell“ öffnet wieder seine Pforten, so dass am Ende ein ausgereiftes und Spaß bereitendes Album seinen Weg in den Player fand, dass klar zu den besseren Deutschrap-Releasen zu zählen ist.

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