Capone-N-Noreaga – „The War Report 2“ (Review)

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Kaum einer konnte mit den letzten Solowürfen der beiden aus Queens stammenden Rapper Capone und Noreaga vollens zufrieden sein. Halbgare Reime, lieblose Hooks und 08/15-Instrumentals, wie man sie im Internet an jeder Ecke vorgesetzt bekommt. Und dennoch verbreitete sich nach der Ankündigung von „The War Report 2“ so etwas wie Neugierde und Spannung, handelt es sich bei „The War Report“ um eines der signifikantesten Rap-Alben der Mittneunziger New Yorks. Und mit IceH20 um ein Label, dessen Chef Raekwon mit seiner Fortführung eines Klassikers beachtliche Resonanz erzeugen konnte. Hot oder Flop – darüber geben die hier versammelten fünfzehn Tracks auskunft.

Das Album beginnt mit „Pain“ zunächst stark und verzichtet auf den überladenen Synthie-Ballast eines ‚Yes Sir‘ und glänzt dafür mit einfacherem, funktionalerem Sound, der dem des ersten CNN-Albums deutlich näher kommt. Auch das vom für New York typische und gewohnt stoische Piano darf nicht fehlen und zusammen mit dem Trio The Lox gibt es auf „Bodega Stories“ schönen Rap vom Big Apple auf die Ohren, wie man ihn nicht unbedingt erwartet hatte. Das Alles wird ergänzt durch das souveräne Auftreten von Capone und N.O.R.E., die mit ihren Stimmen wie gewohnt den Ton angeben.

Mit „Live On Live Long Part II“ wird dann konkret an „The War Report“ erinnert und man fühlt sich für einen Moment zurückversetzt in die Zeit, als der Charakter von Rap noch ein anderer war. Gleichzeitig atmet der Track jedoch genügend Luft der Gegenwart, so dass die Staubsicht gar nicht erst zum Landeanflug kommt. Passend dazu kommen Gäste hinzu, die damals wie heute aktiv sind und nichts von ihrer Präsenz eingebüßt haben. Busta Rhymes, Raekwon und Nas seien hier als die wohl klanghaftesten Namen unter ihnen genannt.

Den Hit der Platte liefert das Duo jedoch erst gegen Ende mit dem wunderbar aufsingenden Avery Storm. Das gemeinsam inszenierte „The Corner“ ist ein mit Soul angereichertes Bankett für Freunde von ohrwurmverdächtigen Hooks und bietet genügend Potenzial, um auch als Single in Betracht gezogen zu werden. Bevor schließlich mit „Obituary“, zu deutsch ‚Todesanzeige‘, das Album ein von Orgeln begleitetes Ende findet, das sich hören lassen kann und den guten Eindruck bis zum Schluss rettet.

„The War Report 2“ wird aller Vorausicht nach nicht den Status des Erstlings erreichen – was man aber fairerweise auch gar nicht verlangen möchte – spielt aber im Leben der beiden Akteure eine mitunter sehr bedeutsame Rolle, die für beide eine Rückkehr zur alten Stärke darstellt. So jedenfalls möchte man CNN künftig gerne wieder öfters hören, denn dieser Sound kann defintiv was. Sitzt, passt und hat Luft.

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