Atmosphere – „The Family Sign“ (Review)

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Ein Atmosphere-Album ist stets eine ganz besondere Angelegenheit. Kaum ein Duo vermag es, seinen Veröffentlichungen so viel Charakter zu verleihen, wie Slug und Ant. Kaum verwunderlich also, dass sie inzwischen zu den ganz großen Namen zählen, die sich fernab der Major-Labels tummeln und längst nicht mehr Untergrund sind. Soundtechnisch möchte man dagegen einen dezenten Hang zu traditionellem Klangbild von Rap feststellen, der dann wiederum mehr in Richtung Hausmannskost denn Plastik geht. Eine stets interessante Mischung also, die da auf den Hörer losgelassen wird und „The Family Sign“ schickt sich an, in der bis hierhin sehr ansehnlichen Diskographie für den nächsten qualitativ hochwertigen Eintrag zu sorgen.

Wenn man schon beim Thema ist, äußerst ansehnlich mal wieder, was sich die Jungs von Rhymesayers für die Verpackung ausgedacht haben, nämlich ein Rückcover, das sich so umfunktionieren lässt, damit man das Album als Bilderrahmen nutzen kann. Kreativität, wie man sie so heute leider nur allzu selten vorgesetzt bekommt und warum man solch positiven Ausnahmen besonders hervorheben sollte. Um es jedoch gleich vorweg zu nehmen; die Musik selbst steht dem in keinster Weise nach. Womit wir nun den Bogen gespannt hätten und eintauchen in das wunderbare Erlebnis von „Family Sign“, beginnend mit einem „My Key“ betitelten Intro, das Spannung aufbaut und gut und gerne 2 Minuten vergehen lässt, ehe Slug zu ersten Reimen ansetzt und die Lunte entzündet.

Nur wenig später platzt mit „The Last To Say“ die erste Bombe, die mit einem erstklassigen Instrumental an den Start geht, welches Slug wie gewohnt gekonnt zu verwerten weiß. So schafft er es binnen kürzester Zeit, alle Aufmerksamkeit auf seine Performance zu richten. Man stelle sich nur einmal vor; ein abgedunkelter Raum, erhellt lediglich durch einen Lichtkegel, in welchem die Stimme von Atmosphere steht und bedacht seine Worte ins Mikrofon rappt – groß. Nicht weniger eindrucksvoll auch die Performance auf „Who I’ll Never Be“, das genau ins Schwarze trifft und in den siebten Rap-Himmel empor steigen lässt.

Dass sich zwischen eben diesen beiden Stücken noch so verschrobene, aber keines Falls schlechte, Tracks gemogelt haben wie „She’s Enough“ und „Bad Bad Daddy“ spricht dabei für die große Vielfalt an Sounds, die es auf die Ohren gibt. Ebenfalls interessant ist „Your Name Here“, ein interaktiver Track, der so quasi jeden individuell anspricht. Erwähnenswert noch der Umstand, dass nach dem ersten Hördurchgang der vermeintlich beste unter nahezu ausschließlich überdurchschnittlichen Tracks der letzte ist, „My Notes“. Zwischen optimistischen Klängen und melancholischem Flair verirrt sich der Hörer und gibt sich ganz den wenigen, abschließenden Worten und Klängen hin.

„The Family Sign“ ist den Fans und Angehörigen gewidmet und eben so hört es sich auch an. Es ist persönlich, ehrlich, dabei gewohnt weit weg vom pubertären Prahlhans und Konsorten und schlicht und ergreifend eines der wenigen straighten Rap-Alben dieser Zeit, die nicht auf Singles aufgebaut sind, sondern als großes Ganzes betrachtet werden müssen, um es vollends zu verstehen, zu fühlen. Man darf demnach davon ausgehen, dass auch Studio-Album Nummer 7 als Erfolg in die Diskographie eingehen und entsprechend erfolgreich sein wird. Dass aber angesichts der dargebotenen Qualität völlig zu Recht.

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