Gerard MC – „Blur“ (Review)

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Blur

Österreich und Rap ist eine unlängst tadellos funktionierende Beziehung und bescherte uns im letzten Jahr neben dem großartigen „Versager ohne Zukunft“ oder Skeros „Memoiren eines Riesen“ auch das zweite Album des Splash!-Erprobten Gerard MC. Nachdem sein Erstling „Rising Sun“ bereits sehr gut in der Gunst der Hörer abgeschnitten hat, vermag auch „Blur“, so der Name von Album Nummer zwei, im Vorfeld einige Erwartungen zu wecken. Dazu trägt auch Maeckes bei, welcher für das Album ein Stück produziert und ein weiteres durch ein Feature veredelte.

Dass es Gerard MC aber auch solo versteht, die Masse zu begeistern, bezeugt die erfreulich geringe Anzahl an weiteren Gästen, lediglich Flip (Texta) und Deniz tauchen namentlich auf. Aber auch der Beginn des Albums, wenn für „Ab jetzt“ ein marschierendes Instrumental als Grundlage für die Reime des Oberösterreichers dient und ein hörenswert geschriebenes, leider mit unter zwei Minuten relativ kurz gehaltenes, „Ein einziges Mal“ auf die Zuhörer wirken lässt.

In der Folge erwartet einen das pure Leben in Worten und Klängen festgehalten. Ungezwungenes Pfeifen („Zu viel Zeit“) gehört dabei ebenso dazu wie nachdenkliche Momente, in denen schon mal über das Prinzip von „Ursache/Wirkung“ sinniert werden darf, wenn nicht gar muss. Und wer das Vorgängeralbum und den darauf enthaltenen Track „Briefe“ noch bestens in Erinnerung hat, findet mit „Brief aus der Leere“ ein Stück, das diese Klasse mitgehen kann und Gerards Stärke für gute, bodenständige, ehrliche Texte hervorhebt.

Grandios auch wenn über das „Faserland“ berichtet wird und der Geist des Hörers vom Auditorium ins Gedankenkino umzieht, um dort den in Worten festgehaltenen Fluss aus Zeilen auch wirklich bewusst miterleben zu können. Weitere hochkarätige Songs wie „Einatmen, ausatmen“, „Halt es fest“ oder das finale, vom Piano erschaffene Melancholie durchströmte „Was bleibt“ runden das beachtliche Angebot ab.

Luft nach oben besteht zwar hier und da, nicht jedes Stück kann das weitgehend hohe Niveau halten. Aber gerade deswegen sollte „Blur“ gehört werden, vermittelt es dadurch nur wieder dieses sympathisch, echte Flair von der beobachteten Realität, die ebenso wenig perfekt ist. Und weckt so die Hoffnung, noch einige weitere Werke von Gerard MC in den Händen halten zu dürfen.

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