FaZ – „Für alle Zeit“ (Review)

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Hip Hop in der Gegenwart – in den Medien präsent, mit etlichen Klischees behaftet und bei genauem Hinhören vielleicht abwechslungsreich und vielfältig wie niemals zuvor. Vom klassischen BoomBap mit Sample und Pianoklängen über große Synthie-Gewitter bis hin zum gewagten Hybriden aus Rap und elektronischen Einflüssen. Während die Einen ununterbrochen auf der Suche sind nach dem nächsten neuen Sound, der die Massen begeistert, suchen andere ihr Glück in den eher traditionelleren und wohl bekannteren Gefilden. Zu überzeugen weiß, fähiges Personal vorausgesetzt, freilich beides.

Der aus den östlichen Gefilden unseres Landes kommende FaZ steht mit seinem Album „Für alle Zeit“ dabei mehr für die bodenständige Version von Rap, gute alte Hausmannskost wenn man so möchte. Sowohl in musikalischer Hinsicht, wo er mit Morlockk Dilemma, Franksta (Inflabluntahz) und Donato ähnliche Vertreter seines Faches für den Langspieler gewinnen konnte. Als auch in Hinsicht auf FaZ selbst, der sich auf dem Cover und im Booklet als der ganz normale Typ darstellt. Als greifbare Person, die sich nicht über den Hörer stellt, sondern bescheiden neben ihnen auftritt.

Schon hierbei umkommt einen das wohlige Gefühl der jüngeren Vergangenheit, als deutscher Hip Hop noch klein war und der heutige Ghetto-Repräsentant noch brav die Schulbank drückte. Unterstützt wird dieses Feeling durch „Bandmaschine“. Sympathisch klare Raps, eine geerdete Produktion und Dendemann als Vocalsample – das passt alles in sich zusammen und funktioniert als Gesamtes hervorragend. Nicht weniger hochwertig die Kollabo mit Dilemma, Linse und Zaehre für „2manyMcees“, wobei FaZs Können erstmals so richtig zum Vorschein kommt neben dem Leipziger Edelspitter.

Groß auch das Zusammentreffen mit Franksta von den Inflabluntahz und Donato, mit denen FaZ vom „Puls deiner Stadt“ spricht und im Endeffekt nicht weniger als eine entspannte Angelegenheit abliefert, die man sich gerne in die Playlist packt. Gesteigert wird dies alles durch das Feature von Justus League-Member L.E.G.A.C.Y. auf „Identität“ – einen Gast aus Übersee, wie ihn nun wahrlich nicht jeder auf seinem Album begrüßen darf.

Geschichten aus den Betonbauten sucht man auf „Für alle Zeit“ wie erwartet vergeblich, stattdessen bekommt man einen reifen Menschen zu hören, der seine Form des Rap präsentiert und so als starkes Ausdrucksmittel seiner Gedanken nutzt. Ob man dies nun als Rap eines Erwachsenen für Erwachsene bezeichnen mag ist dabei nur Nebensache, Kern des Ganzen sind die daraus resultierenden Tracks, welche im Idealfall klingen wie „SicherlichSicher“ oder das unmittelbar folgende „Fehlerhaft“. Beides Paradebeispiele für intelligente Stücke.

FaZ ist ein Rapper ohne Kanten und Ecken, eine runde Persönlichkeit, die gerade durch ihre offenbare Unscheinbarkeit auffällt. Effekthascherei und Schnick-Schnack sind für ihn Fremdworte und Hip Hop ein zentraler Teil seines Lebens. Das merkt man auch als Hörer nur allzu deutlich, so dass sich letztlich vor allem jene für „Für alle Zeit“ begeistern werden können, die mit dem an Adoleszenz erinnernden Auftreten und Verhaltener vieler Rapper wenig bis gar nichts anfangen können.

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