Gangrene (The Alchemist & Oh No) – „Gutter Water“ [Review]

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gutterwatter

Wenn sich der Produzent ans Mikrofon wagt, um seine Talente als MC nach außen zu tragen, dann ist allgemeine Skepsis schon mal an der Tagesordnung und nicht selten sogar berechtigt. Schließlich bekommt ein jeder sein ganz persönliches Talente-Kit vorinstalliert – um es mal mit den Worten eines EDVlers auszudrücken. Ergo gibt es wahre Virtuosen an den MPCs dieser Welt, wie auch eloquente Zungenakrobaten, die geradezu dafür prädestiniert sind, sich in Reimen auszudrücken. Doch nur wenige Zeitgenossen haben die Gabe, beide Gebiete für ihr musikalisches Schaffen zu beanspruchen. Mit Gangrene fanden sich gleich zwei dieser doch eher raren Sorte wieder und erschufen gemeinsam das fünfzehn Stücke umfassende Album „Gutter Water“.

Selbstverständlich handelt es sich weder beim Alchemisten noch bei Oh No um Rapper allererster Güteklasse, um Missverständnisse gleich vorab zu bereinigen. Dennoch beweisen beide mit vorliegendem Album, dass sie durchaus in der Lage sind zu unterhalten und das, ganz unauffällig, besser als so mancher Vollzeit-Rapper. Wem das nicht reicht, der möge sich an der durchaus gut bestückten Gästeliste erfreuen, für die man beide Kontaktkarteien kurzerhand in einen Topf warf und so sowohl Raekwon, Big Twins oder Planet Asia auf der einen und MED, Roc C und Guilty Simpson auf der anderen Seite für das Project gewinnen konnte. Für Abwechslung ist also durchaus gesorgt.

Das erste Ausrufezeichen nach einer fast schon angenehm unspektakulären Anfangsphase ist „Not High Enough“. Dessen vom wild herum klimpernden Piano getragener Unterbau ist Alchemist geschuldet, der damit ein leicht verträumtes Stück erschuf. Ebenfalls sehr nett anzuhören ist neben dem Titeltrack mit Wu-Warrior Raekwon das mit Planet Asia eingespielte „Get Into Some Gangster Shit“, welches trotz der eher brotlosen Betitelung geradewegs in die oberen Regionen des Hörgenusses zielt. Blieb der gute Oh No bis dato als Produzent eher im Schatten seines Kollegen, tritt dieser mit „Wassup Wassup“ endlich auch vollends ins Blickfeld des Hörers. Zumal Mr. Slow Flow (Evidence) und der Junge, der der Welt begegnete (Fashawn) gute Arbeit abliefern.

Einmal in Fahrt, legt Oh No sodann auch gleich noch einen nach und haut mal eben ein unruhig holperndes Teil aus den Reglern, so dass zum Ende des zweiten Drittels die Laune und das Interesse seitens der Hörerschaft nach wie vor vorhanden ist, um weiter zu machen. Das empfiehlt sich auch unbedingt, erwartet einen doch noch der augenscheinliche Höhepunkt des gesamten Albums. „From Another Orbit“ ist ein ungemein krasser und verschrobener Beat, der gemeinsam mit Roc C zu etwas richtig Feinem veredelt wurde. Da kommt noch einmal Freude auf, bevor Guilty Simpson und Big Twins die Spielzeit mit ihren Einsätzen abschließen und zum Resümee bitten.

Kein Zweifel, „Gutter Water“ ist ein überdurchschnittlich gelungenes Album. Ein paar sehr gute Stücke, ein paar blasse Stellen, insgesamt aber besser als so vieles, was jede Woche den Markt überschwemmt. Und auch wenn die beiden Hauptakteure für viele der herausragendsten Stücke Hilfe in Anspruch nahmen (nehmen mussten?), im direkten Vergleich zu den Features etwas abgeschlagen wirken, darf man ihnen wohl guten Gewissens gratulieren. Dazu ein liebevoll gestaltetes Artwork und alles ist in bester Ordnung. Reinhören ist bestimmt kein Fehler.

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1 Kommentar

  1. ist wirklich ein seeeehr gutes album wenn nicht das beste was in den letzten monaten erschienen ist

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