Bosca & Face – “Kinokarte: Film eines Lebens” (Review)

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kinokarte

Als Deutschrap-Fan erinnert man sich gerne an das vergangene Jahr, gab es doch so manch hochklassigen Release. Einer davon war mit Sicherheit „Lieber bleib ich broke“ vom Frankfurter Vega, der damit den Stein bei Butterfly Music ins Rollen brachte. Mitte 2010 ist es nun an Bosca und Face, zwei bis dahin eher unbekannteren Namen, die Geschichte des Labels fortzuführen. „Kinokarte“ ist dabei eines jener Mixtapes, die aus gesammelten Werken der jüngeren Vergangenheit bestehen – in diesem Fall sind es Stücke aus den letzten zwei Jahren.

Nun ist der Sinn und Zweck einer solchen Veröffentlichung gerne einmal nur allzu schwer zu ersuchen, so dass man sich als Hörer doch die Frage stellen muss, weshalb man nicht gleich auf neues Material setzt. Was im Vorfeld jedoch nicht als Manko gewertet werden sollte. Denn immerhin setzt es schon zu Beginn mit „Würdest du?“, „Seelenschrift 2007“ und „Identität“ mit Feature-Part von Olson Rough gelungene Stücke, denen man längst nicht anhört, dass diese bereits den ein oder anderen Monat auf dem Buckel haben. Dies liegt zum einen an der durchaus souveränen Vorstellung der beiden Rapper, wobei vor allem Bosca zu überzeugen weiß. Zum anderen glänzen die Produktionen im für Straßenrap typischen Mix aus Melancholie und französischen Inspirationen.

Nur selten wird Abstand genommen vom Pathos der Straße, etwa wenn für „Vive La Musique“ mal eben eine Liebeserklärung an Rap respektive die Musik rausgehauen wird. Ansonsten bewegt sich „Kinokarte“ überwiegend in gewohnten und bestens bekannten Fahrtgewässern, während personelle Unterstützung von Vega selbst nicht fehlen darf. Dieser kommt auf den achtzehn Tracks gleich vier Mal zu Wort und hinterlässt stets einen positiven Eindruck. Unnötig zu erwähnen, dass Vega den Hauptprotagonisten dabei in den Punkten Präsenz und Wirksamkeit ein gutes Stück voraus ist.

Arg viel mehr bleibt über das Mixtape dann auch gar nicht mehr zu sagen. Face & Bosca reißen mit ihren Reimen keine Schlaglöcher in den Boden, fallen jedoch auch nicht negativ auf. Die Produktionen sind, wie erwähnt, an französische Vorbilder angelehnt und liefern den passenden Untersatz für Geschichten aus dem Frankfurter Leben. Und als Zuhörer ist man letzten Endes weder Zeuge etwas Großem, noch hat man das Gefühl, etwas richtig Schlechtes gehört zu haben.

„Kinokarte – Film eines Lebens“ ist ein musikalischer Film ohne große Überraschungen und Innovationen, der sich auf die wesentlichen Eigenschaften des Genres, hier deutschsprachiger Straßenrap, konzentriert und dabei gar nicht mal eine so schlechte Figur abgibt. Großtaten in Form waschechter Blockbuster sollte man daher nicht erwarten, wer jedoch etwa Azad und ähnliches steht, darf rein hören und sich selbst ein Bild machen.

boscafacereview

1 Kommentar

  1. Der Pathos rund um das Mysterium Leben auf der Straße mag an manchen Stellen vielleicht übertrieben erscheinen, gehört aber doch irgendwie zum Film eines Lebens dazu.

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