Samy Deluxe – „Der Letzte Tanz“ (Review)

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Der Letzte Tanz

Kool Savas tat es, die Jungs von Aggro Berlin taten es, Azad ebenso und jetzt folgt auch Samy Deluxe, dessen Deluxe Records nun seine Pforten schließt und damit für eine weitere karge Stelle in Deutschlands Labellandschaft sorgt. Traurig und doch wahr, aber bevor es endgültig vorbei ist, wird noch einmal veröffentlicht. Fast schon selbstverständlich, dass es sich dabei um den Chef selbst handelt, der mit „Der letzte Tanz“ Abschied nimmt von einem gelebten Traum, der nach bewegten Jahren ad acta gelegt wird.

Gemixt von niemand geringerem als DJ Mixwell und ausgestattet mit einem Gastpart von Ali A$ schließt Samy Deluxe den Kreis aus rückwärtsgewandter Nostalgie und der jüngsten Gegenwart. Klingt alles reichlich anstrengend, startet aber durchaus entspannt in die letzte „Neue Saison“. Ein relaxter Beat, gut aufgelegte Reime von Samy Deluxe und man möchte kaum glauben, dass manch einer aufgrund von „Dis Wo Ich Herkomm“ ernsthaft Zweifel an den Qualitäten des Hamburgers hegte.

Ob auf „Der Letzte Tanz“, das den Werdegang des Labels noch einmal behandelt oder dem von Reggae geprägten „So Viele Fragen“, technisch brilliert hier jemand nach wie vor wie kaum ein anderer. Und wer noch immer nicht damit klar kommt, dass Samy Deluxe nicht mehr nur Rap macht, der möge sich bitte eindringlich auf das beeindruckende „Katze Aus Dem Sack“ einlassen, bei dem stilsicher zwischen Rap und Gesang gewechselt wird mit einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht.

Musikalisch frei und stets positiv gestimmt geht auch „Hin Und Her“ ins Ohr, das klare Ohrwurm-Qualitäten mitbringt, während Monroe „Truf Is Back“ ins Rennen schickt, das wieder klar nach Deutschrap klingt, nahezu endlos wirkende Reimkaskaden inklusive. Der Baus Of The Nauf ist back, möchte man rufen, nur um einen Track später bereits aufgeklärt zu werden, es mittlerweile mit dem Baus Of The Dauf zutun zu haben. „Draussen Aufm Dach“ macht dabei ordentlich Druck und als Hörer setzt man die Suche nach dem entscheidenden Aussetzer in der Tracklist fort.

Fündig wird man eventuell kurze Zeit später mit „Sag Mir Was Du Von Mir Willst“, das rein äußerlich betrachtet große Kunst ist, überhaupt keine Frage. Und wer wünschte sich nicht wieder die ein oder andere Line des Wickeda-MCs aka Samsimilia. Doch mit stimmenverzerrten Gesangparts wird der Bogen dann ein klein wenig überspannt, zumal Auto-Tune-Affinitäten hier leicht fehl am Platze scheinen.

Das war es dann jedoch auch schon wieder an Kritik. Was nun folgt ist ein Hammer nach dem anderen. Die langerwartete Rache des Samsilias etwa, die auf drei Instrumentals ausgebaut Weed-Lines aller erster Güte beherbergt, der krasse Beat von „Hussel Und Flow“, ein Flow-Ungeheuer namens „Nie Genug“ mit Ali A$, das leider viel zu kurz geraten ist und das vielleicht beste Outro, das man seit ewigen Zeiten gehört hat. Wo andere Alben bereits zusammenpacken, da dreht „Outta Hier“ noch einmal mächtig auf, so dass mit Monroes Beihilfe ein Wahnsinnsende entworfen wurde.

Nun hatte man gute 50 Minuten Zeit um sich zu verabschieden und doch fällt es einem letztendlich schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, künftig ohne das Hamburger Label durchs Leben zu gehen. Weshalb man seine ganzen Hoffnungen in Samy Deluxe setzt, der seine musikalische Brillanz hoffentlich auch noch lange nach der Ära Deluxe Records nach außen trägt. Bärenstarker Abgang.

Texte :                          4/5
Produktionen :            4/5
Gesamteindruck :    4.5/5

2 Kommentare

  1. also erstmal schön geschrieben obwohl die punkte noch besser sein können

    5/5

    für mich bestes deutchrap mixtape was es gibt

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